Saint Lucia- Martiniques südliche Nachbarin 

Das neue Dinghy ist im Kasten und de facto bleiben uns nach unseren extra Meilen aus dem Süden- zurück nach Martinique – noch knappe zehn Tage, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Guadeloupe machen, um einem weiteren Versuch zu starten, unseren Wassermacher hoffentlich in Gang zu bekommen.

Es wird also eine St. Lucia Intensiv-Woche. Verzichten wollen wir jedoch auf die südliche Nachbarinsel von Martinique nicht. Schließlich sind es nur gute 20 Seemeilen, also knappe 4h von der Südspitze Martiniques bis in die Rodney Bay im Norden St. Lucias.
Für die erste Nacht buchen wir einen Liegeplatz in der Rodney Bay Marina. Zum einen, weil diese Marina, welche sich in einer Lagune befindet das Einklarieren deutlich einfacher gestaltet und zum anderen, weil wir in Berichten anderer Segler vor den -so genannten- Boat-Boys (Einheimischen, die mit schnellen wendigen Motorbooten versuchen Bojen und diverse Waren an den Mann/Frau zu bringen) und deren Aufdringlichkeit gewarnt wurden. Spoiler: diese Warnungen können wir nicht bestätigen!

Der Empfang konnte nicht freundlicher und professioneller sein. Vier helfende Hände am Steg für die Leinen und das Einklarieren war innerhalb von 20 Minuten erledigt. Noch dazu spricht man auf St.Lucia wieder englisch, was die Kommunikation mit den Menschen deutlich einfacher gestaltet. So machen wir uns am Nachmittag direkt spazierenderweise auf den Weg in Richtung Gros Islet. Das Örtchen sperrt an Freitagen die Hauptstraße, Lautsprecher werden aufgedreht und provisorischen Stände öffnen ihre Pforten, um köstliches Essen, (hochprozentige) lokale Getränke und gute Laune anzubieten. Während der erste Teil des Abends vor allem den (Kreuzfahrt-) Touristen und lokalen Familien mit Kindern gehört, werden mit einbrechender Nacht die eintrudelnden Figuren bunter und (für das europäische Auge) extravaganter bekleidet. Bis weit in die frühen Morgenstunden wird zu creolischen Klängen getrunken, geredet und getanzt, verhandelt und verkauft. Und wir mittendrin.

Bevor wir am nächsten Morgen in die Bucht vor Anker verlegen, um das türkisfarbene Wasser mit einem Schwimm am Morgen zu genießen- denn dies ist dann doch der Nachteil jeder Marina – haben wir noch ein freundliches Date mit dem lokalen Obst- und Gemüseverkäufer. Benjamin ist eine Ikone in Rodney Bay, denn von seinem Palmenwedel verzierten Kanu verkauft er allerlei lokale Produkte direkt von Boot zu Boot und seine herzlich freundliche Art inklusive Rezeptvorschlägen macht den Einkauf zum Erlebnis.

Den weiteren Tag schlendern wir in Fort Rodney, einem Fort aus dem Jahre 1778 auf Pigeon Island, einer Halbinsel im Nordwesten der Insel herum. Einst war diese Befestigungsanlage wichtiger Beobachtungs- und Verteidigungsstandort des britischen Admirals Rodney für die nur etwa 40 Kilometer nördlich gelegene französische Basis Fort Royal auf Martinique. Wir genießen den Blick in die Bucht und den Schnorchel-Schwimm zurück an Bord. Und am Abend lassen wir uns aus der besonderen Mischung lautstarker Musik aus den Boxen der Lokals und der Steelband am Strand des Sandals- Resorts beschallen. Schön für einen Abend, aber morgen gehts ganz sicher weiter.

Auf dem Weg entlang der Küste skippen wir die großen Städte St. Lucias und einige Buchte. Unser Ziel ist die Piton Management Area- ein Schutzgebiet und UNESCO- Weltnaturerbe im Südwesten der Insel. Bei den Pitons (Gros Piton und Petit Piton) handelt es sich um zwei knapp 800m aus dem Meer ragende erkaltete Vulkankerne, welche die Jalousie Bay flankieren und das Wahrzeichen St. Lucias bilden. Der Nationalpark hat in den Buchten um die Pitons Bojen installiert, welche man nach Anmeldung und gegen ein moderates Entgelt nutzen kann, da an Ankern hier aufgrund der Tiefe nicht zu denken ist. Darüberhinaus darf man das Dinghy freundlicherweise am Steg des hiesigen Sugar Beach Resorts anlegen, was einen Landgang ungebunden möglich macht.

Einmal an Land hört der Spaß dann aber auch schon auf, denn möchte man sich weiter auf der Insel bewegen steigt man direkt 300m steil bergauf, um den Ausgang des Resorts zu erreichen. Und dann geht’s genausoweit wieder runter, um zu den Pitonfalls- schwefelhaltigen Geothermalquellen – zu gelangen. Ehrlicherweise können es die hiesigen Wasserfällen nicht mit den heissen Sturzbächen Dominicas aufnehmen, aber wir genießen das schöne Gefühl einer warmen Regenwald-Dusche, selbst bei 30 Grad Außentemperatur. Zusätzlich hat das erwärmte Wasser den Stein zu einem gemütlichen Becken geformt und wir können kaum genug von der Warm-Wasser-Regenwalddusche bekommen, die uns auf Kopf- und Rücken prasselt. Was für ein erster Eindruck der Gegend und die Vorfreude auf das, was noch kommen soll in den nächsten Tage steigt.

Generell geht es in der Gegend um die Pitons permanent hoch und runter. Die Steigungen und Führung der Straßen steht der in St. Vincent in keiner Form nach. Nur der Antrieb kommt diesmal nicht aus dem Leihwagen, sondern aus uns. Die beiden Pitons, diese massiven Berge auf die wir aktuell beim Aufwachen schauen, reizen uns und so wächst auch der Wunsch sie zu besteigen. Jedoch fangen wir langsam an und wollen vom Tet Paul Nature Trail, einem ca. 45-minütigen Wanderweg die Aussicht auf beide Pitons und Ti´Amâ genießen. Um jedoch an den Einstieg zum Trail zu gelangen den man von Bord aus sehen kann, verlangt die Straßenführung, dass man erst 8 km nach Nord und dann etwas höher gelegen, wieder nach Süd fährt/ geht. Vom Steg weg, geht es also direkt erst einmal wieder die gewohnten Höhenmeter bis zum Ausgang des Resorts , wieder an den Piton Falls nach unten und dann wieder nach oben zur Hauptstraße. Bei Erreichen dieser sind wir quasi schon bratfertig und beschließen den Finger rauszuhalten, um eventuell einen Lift zu bekommen und werden tatsächlich von einem freundlichen Guide, der gerade auf seine Gäste wartet, nicht nur bis zu seinem eigentlichen Zielort, sondern über diesen hinaus bis an den Eingang zum Trail gebracht. Wenigstens ein kleines Trinkgeld konnten wir ihm dafür aufschwatzen, denn bei jedem Meter, den er uns die bergige Straße gefahren hat, waren wir heilfroh. Der spätere Wanderweg an sich war einfach und die Ausblicke auf die Pitons grandios. Den Rückweg haben wir dann größtenteils selbst bestritten und nur am Ende sind wir in einen Minibus eingestiegen der uns auf dem Highway ein paar Kilometer mitnehmen sollte. Doch nachdem der Fahrer und Co-Pilot gehört haben, wohin wir möchten, wurde- auch ungefragt der anderen Gäste – ein kleiner Abstecher gemacht, um uns bis fast an den Eingang des Resorts zu fahren. Eventuell hat er mit diesem Umweg auch den dreifachen Normalpreis, den er uns dann berechnet hat begründet. 20 Ostkaribische Dollar, also knappe 7 Euro für uns zwei… hier eine kleine Abzocke, die uns jedoch viele Kilometer Rückweg erspart hat und im Vergleich zu europäischen ÖVP-Preisen nur halb so abgehoben scheint.

Zwei Tage schauen wir uns diese steilen Berge an und geben uns abwechselnd mindestens so viele Argumente für einen Aufstieg wie Entschuldigungen dagegen. Natürlich reizt es uns einen der beiden Pitons zu besteigen. Logistisch und ohne eine große Tour buchen zu müssen, kommt jedoch nur der Petit Piton in Frage, welcher zwar 30m niedriger, aber dafür steiler und nur mit „Bergführer“ besteigbar ist. Der Aufstieg muss aufgrund der heißen Temperaturen vor oder mit dem Sonnenaufgang erfolgen. Die Bergführer bestehen aus der Jugend St. Lucias, die ab 4:00 am Einstieg auf potentielle Kundschaft warten und bei deren Nicht-Erscheinen sich den Tag mit dem einen oder anderen Joint verkürzt. Früh kommen lohnt sich also. Nach einigem hin-&herdenken wollen an unserem letzten Tag noch hoch, packen alles zusammen, der Wecker ist auf 3:00 gestellt. Doch leider brauchen wir ihn nicht, denn die Nacht ist aufgrund irgendeiner falsch aufgenommenen Nahrung und starker Fallböen so schlaflos, dass wir uns zur geplanten Weckzeit gegen den Aufstieg entscheiden und uns schweren Herzens wieder auf den Weg nach Norden machen.

Next Stop: Die legendäre Marigot Bay. Der Liegeplatz an der Boje in dieser malerischen Bucht erlaubt gleichzeitig die Lösung eines Daypasses im Zoetry Marigot Resort. Wir können also für einen überschaubaren Obolus alle Annehmlichkeiten des All- Inn Resorts nutzen. Pool, Poolbar, , Duschen, Bistros, Cafés und Restaurants. Wow. Ungelogen glaube ich, dass wir leicht die Kalorienaufnahme einer ganzen Woche in dieser Bucht ausgereizt haben.

St.Lucia kurz und intensiv. Dankbar, dass wir uns nicht aufgrund der Kürze abschrecken lassen haben. Gern hätten wir natürlich noch etwas mehr gesehen- aber wann war das schon einmal nicht so..

Auf nach Guadeloupe- mal wieder …