Ankunft Kanada - Nova Scotia.
Nach einer farbintensiven Überfahrt klarieren wir in Shelburne, Nova Scotia ein. Der Maritime Osten Kanadas begrüßt uns sehr untypisch: mit blauem Himmel, einer Hitzewelle (25-30°C) und OHNE Nebel. Hier Anlanden riecht nach Nadelwald und erinnert uns sehr an ZuHause.
Die geschichtliche Entwicklung der kanadischen Atlantikküste ist bis heute von der Kabeljau-Fischerei geprägt. Doris, die hölzernen Boote, welche auf den oftmals mehrmonatigen Ausfahrten in die einst fischreichen GreatBanks zum Einsatz kamen, werden nur noch auf Einzelbestellung, allerdings noch immer in jedem Schritt per Hand gefertigt. In Shelburne ist eine einzelne Werft als offenes Museum erhalten geblieben.
Die reichen Kabeljau-Bestände waren über Jahrhunderte Garant für Wohlstand und Reichtum der Region. Heute weiß man, dass in Folge der andauernden Überfischung die Bestände um über 95% zurück gegangen sind und auch trotz eines französisch-kanadischen Moratoriums im Jahre 1992- das die Kabeljaufischerei vor der Küste Neufundland untersagt – noch keine Erholung der Bestände in Sicht ist. Den Menschen vor Ort entzieht dies meist die wirtschaftliche Grundlage.
Langsam arbeiten wir uns die Küste Neuschottlands nach Nordosten bis nach Cape Breton Island hoch.. Stoppen dabei an Stränden, die uns meinen lassen, wir wären zurück in der Karibik, denn TiAma liegt unter blauem Himmel ruhig im glasklarem Wasser. Einzig die Quallen sind größer und das Wasser viel kälter ..
Lunenburg, benannt nach dem Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg, ist Kanadas älteste deutsche Siedlung und seit 1995 UNESCO- Weltkulturerbe. Sie verzaubert uns mit ihren wunderschönen bunten Häusern, unbeschreiblich freundlichen Kanadiern, der Blue Nose- einem 1930 erbauten Schoner und dem heutigen Wahrzeichen Nova Scotias – sonntäglichen Piano-Konzerten und einem sehr informativen maritimen Museum. Drei Tage Kultur intensiv. Noch immer bei meist strahlendem Sonnenschein..
Halifax, Provinz-Hauptstadt Nova Scotias, war mit seinem riesigen Naturhafen bereits vor Eintreffen erster europäischer Siedler 1749 Jagd-und Angelgrund der hier ansässigen First Nations. Im Laufe der Geschichte wurde es wiederholt Dreh-und Angelpunkt militärischer und maritimer Handelswege zwischen Europa und der neuen Welt. Heute ist es kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region. Für uns ein optimaler Standort, um mal wieder das eine oder andere an Ti´Amâ zu ersetzen/erneuern/reparieren. Den kommerziellen Fischerei- Ausstattern sei dank ..
Er ist da: der Nebel..
Wir fahren durch milchige Suppe und starren auf Radar und AIS um mögliche Fischer und andere Boote eventuell zu entdecken. Arbeiten uns Meter für Meter in wunderschöne Buchten, die uns nur Stückweise aus dem Grau erscheinen – manchmal nur wenige Meter vom Bug entfernt. Klart die Sicht jedoch auf, macht uns die Schönheit der Küste sprachlos und wir suchen uns den einen oder anderen Weg um die Umgebung zu erkunden.
Zwei weitere Tage ohne Sicht und wir erreichen Cape Breton Island. Die Insel im Nebel, wie die Mi´kmaq, die First Nation der Region diese Insel nannten, wird ihrem Namen gerecht. Durch eine Schleuse fahren wir in den Bras d´Or Lake, einen Brackwasser-See der uns mit Tagen voller Sonne, teils ziemlich ordentlich Wind, einigen sehr wenig scheuen Seeadlern, gälischen Musik-Abenden, vielen neuen Informationen über einen spannenden Alexander Graham Bell, der weit mehr erfunden hat, als “nur” das Telefon ..
..und unseren ersten selbst geernteten Austern beschenkt. Danke
Jetzt heißt es Proviant in Frankreich aufstocken. Hierfür machen wir einen Abstecher nach Saint Pierre et Miquelon. Nur 25 km vor der Küste Neufundlands, sind diese beiden Inseln mit ihren nicht einmal 6000 Bewohnern der letzte Teil der einstigen Kolonie Neufrankreichs und nennen tatsächlich auch heute Paris und nicht Ottawa ihre Hauptstadt. Für uns bieten sie nicht nur die Möglichkeit für kleine Wanderungen zwischen Hügeln und Etangs .. vor allem aber: Eine Oase für den Gaumen, denn die Versorgung im SuperU (dem französischen Rewe-Pendant) mit Käse, Wein und kleinen EUROPÄISCHEN Besonderheiten lässt unser kulinarisches Herz höher schlagen ..
Voll gepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen, geht es für uns nach an die Südküste Neufundlands…
